Recht auf Vergessenwerden

Jeder Mensch hat das Recht auf digitalen Neuanfang. Dieses Recht findet seine Grenzen in den berechtigten Informationsinteressen der Öffentlichkeit.

9 Kommentare

  1. 3

    “Digitaler Neuanfang” klingt nach Komplett-Löschung. Ich fände besser als Recht zu verbriefen, was bisher viele Plattformen schon als Möglichkeit anbieten: nämlich, dass Recht auf selektive Löschung. (Bspw. die Posts, die ich bereue; die Bilder, auf denen ich mir nicht mehr gefalle; die Suchanfragen, die mein Freund in “mein Google” eingegeben hat.)

  2. 2
    Joachim schreibt:

    Digitaler Neuanfang erscheint mir sehr unrealistisch. Jeder heute geborene Mensch hinterlässt ab seiner Geburt unzählige digitale Fußspuren. Das kann nicht wieder zurückgedreht werden. Das Recht auf selektive Löschung in einer klar umrissenen Umgebung, wie es Lars bereits vorgeschlagen hat, ist da realistischer. Damit kann jeder Nutzer sein Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit selber bestimmen. Daraus ergibt sich für mich der zweite wichtige Punkt. Die Löschung sollte auf öffentlich einsehbare Daten eingeschränkt werden.

    Der zweite Satz mit dem “berechtigten Informationsinteresse der Öffentlichkeit” muss aus meiner Sicht klarer formuliert werden. Hier könnte z.B. auf bereits existierende Regelungen zu dem Schutz der Persönlichkeitsrechte und deren Einschränkungen bei Personen öffentlichen Interesses verwiesen werden.

    1. 0
      Brummmi schreibt:

      Eine Einschränkung des Rechts auf Daten-Löschung „auf öffentlich einsehbare Daten“ befürworte ich nicht.
      Beispiel: ELGA (Elektronische Gesundheitsakte) in Österreich, wo (im Endausbau) ALLE Gesundheitsdaten gesammelt werden sollen. Obwohl die Daten in ELGA nicht öffentlich einsehbar sind, möchten vermutlich viele (mündige) Patienten so manche Daten/Befunde/Medikationen dort gezielt herauslöschen können.

  3. 1
    Brummmi schreibt:

    Mein Ergänzungs- / Konkretisierungsvorschlag:
    Alle digitalen Dienste, die personenbezogene oder personenbeziehbare Daten erfassen, müssen einen einfachen und leicht auffindbaren Weg anbieten, dass die erhobenen Daten jederzeit durch die jeweils betroffenen Personen (binnen einer von ihnen selbst wählbaren Zeitspanne) gelöscht werden können.
    Mit anderen Worten: Überall dort, wo es eine digitale „Eingangstür“ gibt, muss es stets auch eine problemlos zu erreichende und korrekt funktionierende (digitale) „Ausgangstür“ geben.

  4. 1

    Dies finde ich sehr wichtig. Schön wäre es wenn dieses “Vergessen” dann auch einfach umzusetzten wäre. Z.b. durch eine automatisiertes Löschen von Informationen nach einer bestimmten Zeit, es sei denn diese Frist wurde vom Nutzer bewusst geändert. Dabei sollte es auch möglich sein, eine einmal festgelegte Zeitspanne zu ändern. Was haltet ihr von einer solchen Ergänzung?

  5. 0

    Der Punkt gehört ersatzlos gestrichen. Kein Mensch hat ein Recht auf einen digitalen Neuanfang, genau so wenig, wie auf einen analogen Neuanfang. Jeder Mensch muss mit dem Leben leben, dass er hat, daran ist einfach nichts zu ändern.
    Entscheidend ist, dass jeder Mensch ein Recht an seinen eigenen Daten hat (sofern das nicht im Widerspruch zu höherstehenden öffentlichen Interessen steht). Und diesbezüglich ist das existierende Recht schon ganz gut aufgestellt.

    Das “Recht auf Vergessenwerden” ist ein totaler Unfug. Man kann niemanden dazu zwingen, etwas zu vergessen. Und es ist völlig verkehrt, für historische Daten ein automatisches Ablaufdatum zu fordern. Und das aktuell in Europa praktizierte “Recht auf Vergessenwerden” öffnet Willkür und Zensur Tür und Tor.

    Es ist richtig, dass das Recht sich an neue Situationen anpassen muss, und die Digitalisierung und Vernetzung ist eine solche. Es ist aber auch richtig, dass der Mensch sich an neue Situationen anpassen muss. Und es ist einfach eine Tatsache, dass “Vergessen” in der digitalisierten Welt weit weniger schnell und häufig passiert, als es vorher der Fall war. Das betrifft alle und alles, und es hat Vor- und Nachteile. Aber es ist nicht zu ändern.

    1. 1
      Johnny Haeusler ( Besucher Karma: 2 ) schreibt:

      Hallo Nico,

      das Recht aus Neuanfang gibt es in der analogen Wel durchaus. So können Menschen z.B. Schulden hinter sich lassen, Strafen können erlassen werden und auch verjähren, es gibt Rehabilitation … ich empfinde das als Chancen auf einen Neuanfang.

      Es ist richtig was Sie sagen: Das ist im Internet alles etwas schwieriger geworden.

  6. 0
    Wolf-Dieter Busch schreibt:

    Das „Recht auf Vergessen“ steht im Konflikt mit dem „Recht auf freien Informationszugang“.

    Diesen Konflikt als „gelöst“ in die Charta einfließen zu lassen ist verwerflich! Vorschlag: das Thema im Vorfeld zu umschiffen. Ist gesünder.Bezug

  7. 0

    Aber ohne Zensur, ne? Das ist utopisch, sollte gestrichen werden. Stattdessen vielleicht die staatliche Kontrolle über Vor- und Nachnamen aufgeben und “Identitätswechsel-as-a-service” beim Einwohnermeldeamt anbieten.

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