Profiling

Profiling durch staatliche Stellen oder Private ist nur auf gesetzlicher Grundlage zulässig.

15 Kommentare

  1. 7
    Dietrich Schmidt schreibt:

    Das Wort Profiling ist für mich zunächst einmal ein Fremd-Wort. Wikipedia klärt auf: „Der aus dem Englischen stammende Begriff profiling bezeichnet … die Erstellung, Aktualisierung und Verwendung von Profilen.“ Aha.

    Damit ist dieser Artikel sehr unscharf formuliert. Vorschlag: „Das Sammeln von personenbezogenen Daten ist ohne explizite Zustimmung der betroffenen Personen verboten“.

    Dies wäre in den Zusammenhang der informationellen Selbstbestimmung zu setzen.

  2. 3

    Grundsätzlich: Wieso ist Profiling Artikel 6 und Datenschutz und Datensouveränität erst Artikel 11 bzw. Informationelle Selbstbestimmung erst Artikel 12.
    Würde man diese beiden Artikel nach vorne ziehen, ließe sich Profiling aus den beiden zuvor genannten Prinzipien ableiten (oder ist ganz überflüssig).

  3. 2

    Wer je vor einer Datenbank mit vielen tausend Datensätzen saß und sich einen Überblick verschaffen wollte, betrieb unwillkührlich “Profiling”. Profiling ist das Strukturieren und Gruppieren von Datenhaufen. Das Häufchenbilden trägt unbedingt zum Verständnis der Grundgesamtheit bei und verschafft einem den sog. Überblick. Profiling gestattet einen Einblick, der deutlich mehr ist als die Summe der Einzelteile. Profiling ist ein Verfahren zum Umgang mit Big Data.
    Das Einzeldatum ist zunächst ohne Belang, denn man will ja gerade den Lemmingeffekt herausarbeiten. Insofern stehen personenbezogene Daten zunächst nicht im Vordergrund (wenn man hinterher z.B. keine Adress-bezogene Ergebnisanalyse braucht).
    Interessant wird’s dann bei der Benutzung der Erkenntnisse: Wenn man also mit Hilfe der Datenhaufen gelernt hat, daß Väter häufig Windeln und Bier kaufen, kann man dieses Wissen benutzen und den Erwerb des Bieres vereinfachen, indem man es im Regal neben die Windeln packt oder neben dem Shoppingcard mit dem neuesten Juli Zeh-Buch (danke für die schöne Sprache!) vielleicht eine Werbung für Rotkäppchen-Sekt zeigt (naja, das ist jetzt vielleicht ein bißchen platt).
    Sprich: Unser Verhalten schult Anbieter kostenlos darin, wie er den Umsatz mit uns vergößern kann. Dazu sind personenbezogene Daten nicht unbedingt notwendig; Profiling ist eher eine weitere Maßnahme, wie Datennutzer Kontakte “ausnutzen” können.
    Ich habe zwei Anmerkungen:
    a) Ähnlich wie bei Art. 7 Algorithmen sind evtl. Situationen denkbar, die eine Veröffentlichung zu Grunde liegender Strategien notwendig machten, sodaß ich vorschlage, diesen Punkt nochmals eingehend zu beleuchten und ggf. etwas zu formulieren
    b) Machen wir uns nichts vor: Die 5 größten Nutznießer von Profiling sitzen in den USA wodurch das Wissen um unsere Profile mit jedem Kontakt (Kauf, Telefonat, Suche, Mail usw.) unser Land verläßt. Natürlich sind die Boys auch nach 70 Jahren alliierter Vorbehaltsrechte und §10G-Gesetz-Spaß weiter unsere Freunde, logo, aber vielleicht sollten wir vor den Hintergrund, daß Wissen das Gold des 21.- Jahrhunderts ist, mal überlegen, ob wir nicht langsam auch mal unser Interesse wahren sollten und den Brain-Drain stoppen. Jeder vorsichtige Familienvater würde so handeln. Wenn Profile Geld bedeuten, sollten wir Zoll erheben resp. in Zeiten ubiquitärer Verfügbarkeit auf einer Beteiligung beharren…

    1. 0

      Nicht völlig tautologisch, weil die Grundrechte über den Gesetzen stehen sollen. Aber so wie hier formuliert ziemlich nutzlos, weil nicht eingeschränkt wird, wann ein Gesetz denn nun das Profiling erlauben darf. Also kann im Extremfall ein Staat ein Gesetz erlassen “Profiling ist erlaubt, wenn es dem privaten Informationsbedürfnis oder Geschäftsinteressen dient”?

  4. 0
    Michael schreibt:

    Ist das nicht bereits in §11(2) geregelt?

    “[…] Personenbezogene Daten dürfen nur nach Treu und Glauben und für festgelegte Zwecke erhoben und verarbeitet werden, wenn […] eine vorherige Einwilligung erfolgt ist oder auf gesetzlicher Grundlage. […]”

    Profiling ist meines Erachtens lediglich nur ein Sonderfall dieser Datenerhebung/Nutzung.Bezug

  5. 0

    Die Worte “durch staatliche Stellen oder Private” können gestrichen werden. Die Begriffe sollen sagen “durch jeden”, regen aber dazu an, Abgrenzungen zu ziehen. Weniger Text ist hier mehr Deutungssicherheit.

  6. 0
    Wolf-Dieter Busch schreibt:

    Profiling ist nicht Element des Alltagswortschatzes, sondern definitiv ein Fachwort. Ich habe keine Vorstellung davon, was das sein soll. (Wohlverstanden, ein Verhältnis zur deutschen Sprache ist ungebrochen.)

    Ich empfehle, entweder durch verständliches Wort zu ersetzten oder den Artikel ersatzlos zu streichen.Bezug

  7. 0

    Die recht offene Formulierung dieses Artikels soll vermutlich zur Diskussion anregen.

    Fakt ist:
    Profiling wird gemacht.
    Profiling macht Kundenreaktionen zu Geld.
    Profiling macht Suchanfragen zur sog. Filterblase (=Bestimmung von Suchergebnissen a.G. fremder Algorithmen und Koinzidenzen).
    Profiling benötigt in der Lernphase nicht unbedingt personenbezogene Daten (obwohl mehr Daten immer besser sind) – in der Anwendungsphase allerdings meist eine ID.
    Profiling wird führend, aber nicht ausschließlich von US-amerikanischen Firmen (zu dortigen Datenschutzrechten) ausgeübt.

    All das bedeutet, daß Profiling Fremdbestimmung heißt. Bei profilbezogener Werbung mag das noch hinnehmbar sein. Spätestens wenn Benutzer orts-, geschlechts- oder glaubensbezogene Preise zahlen müssen, ist eine Grenze übertreten, die wir vielleicht eher nicht übertreten wollen.

    Nüchtern betrachtet würde ich sagen, daß Profiling gut und nützlich sein kann, aber auch spontan Situationen auftauchen, in denen Benutzer auf die Ergebnisse einer Filterblase verzichten wollen. Daher würde ich den Artikel Profiling wie den Artikel Algorithmen sehen und mich bei der Regelung auf die Rechtsfreiheit von “automatisierten Entscheidungen” beziehen. Es sollte das Prinzip der Transparenz für den Benutzer gelten und eine spontane Beeinflussing durch ihn möglich sein: Also eine Art Filterblasen-Angebot(!).
    Vielleicht wird an diesem Punkt klar, worauf Charta-Formulierungen ganz allgemein hinauslaufen: Auf den Personal Computer! IBM war ja sowas von vorausschauend.

  8. 0

    Ich finde den Begriff Profilierung sehr tendenziös. Bzw. ist der Begriff der Profilierung schon aufgeladen.
    Ich würde einen Artikel Eher “Interessensausgleich” bennen.

    Eine Charta sollte versuchen die Interessen von Verbrauchern und Unternehmen (=auch Unternehmen sind schutzbedürftige Teilnehmer im gesellschaftlichen Miteinander) in Einklang zu bringen.
    Durch die “Digitale Transformation” ist die eingespielte Mechanik “Waren gegen Geld” um die Dimension “Daten als Währung” ergänzt worden. Es ist bisher nicht gelungen, die gesellschaftlich notwendige Balance zwischen den Interessen von Unternehmen und Verbrauchern herzustellen. Es läuft noch stark nach dem Prinzip “Trial&Error”.

    1. 0

      Ihren Kommentar kann ich nicht nachvollziehen. Profiling bezieht sich m.E. nicht auf die Masse, sondern auf den Einzelnen. Außerdem geht es hier auch eher um das passive, nichtinvasive Sammeln von Daten, statt das aktive Eindringen und Ausspionieren der Privatsphäre. Insofern kann ich Profiling weder als Massen-, noch als Überwachung sehen.

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